Die gefälschten Handschriften
Die Wirkung der gefälschten „böhmischen Handschriften“
des Vaclav Hanka und die geistigen Grundlagen
der Vertreibung der Sudetendeutschen.
Denkt man über die ideengeschichtliche Vorgeschichte der Vertreibung der Sudetendeutschen nach, muß man schon im 19. Jh. beginnen. Einige sudetendeutsche Geschichtsdarstellungen der Gegenwart verzichten auf Gründen der politischen „Korrektheit“ darauf und verkürzen den geschichtlichen Kontext im Sinne der antideutschen Erzählungen staatlich gewünschter Nachkriegs-Geschichtsbilder.
Es ist nicht wahr, daß die Sudetendeutschen als Eroberer und Plünderer ins Land gekommen sind und durch Gewalt slawischen Bewohnern Boden und Besitz genommen hätten, daß also das Siedlungsgebiet der Sudetendeutschen „germanisiertes“ Land darstelle und es daher nur recht und billig sei, dasselbe Land wieder in den Besitz des tschechischen Volkes zurückzuführen. Wahr vielmehr ist, daß die Deutschen/Germanen schon zu Beginn unserer Zeitrechnung her im Land ansässig waren, daß sie, wissenschaftlich einwandfrei festgestellt, mit mindestens 600 Jahren Vorsprung überhaupt Erstbewohner vor den Slawen waren, daß allerdings im Laufe der Jahrhunderte sie Stärkung fanden durch herbeigerufene Siedler und Kolonisten anderer deutscher Stämme, als Träger, als Bringer, als Verbreiter deutscher Kultur. Wo der Deutsche in den Sudetenländern saß, dort saß er ursprünglich auf seiner Scholle. Einmal sind es die Reste, die beim Abzug der Markomannen und Quaden zurückgeblieben waren, zum anderen sind sie Neusiedler in menschenleer gebliebenen Gebieten. Der Deutsche hat Tschechen nichts genommen, sondern von den Donaugebieten vom Wiener Becken, von Bayern, von Sachsen und von Schlesien rodend und Kulturland schaffend vordringend, seinen Siedlungsraum in den Sudetenländern selber aus Urwaldwildnis geschaffen. Nicht einmal als friedlicher Gegenspieler der Tschechen ist der Deutsche angetreten, denn der Tscheche des Mittelalters hat überhaupt nicht und der Tscheche der späteren Zeit nur sehr wenig kolonisiert. Wahr ist, daß die Tschechen stets Nutznießer deutscher Arbeit und deutschen Fleißes gewesen sind und ihre Entwicklung bis zum führenden Staatsvolk ohne deutschen Einfluß gar nicht hätten durchmachen können. Gewiß herrschen seit Jahrhunderten deutsche Kultur, deutsches Recht, deutsche Sprache, aber nicht etwa auf Grund kriegerischer Eroberung, sondern nicht zuletzt, weil sich die slawischen Fürsten zum deutschen Kulturkreis bekannten und deutsche Menschen ins Land geholt hatten. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde Deutsch in den böhmischen Ländern durch die Verneuerte Landesordnung zur gleichberechtigten Amtssprache erhoben. Nicht die tschechische Selbständigkeit wurde in der Schlacht am Weißen Berge vernichtet, sondern das Regiment eines böhmisch-protestantischen Landadels, der nach seiner Sprache teils tschechisch, teils deutsch und nach seinem Kulturbewußtsein gänzlich deutsch war, dabei politisch böhmisch-territorialstaatlich und reichisch dachte. Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts forderten Intellektuelle eine Tschechische Nationale Wiedergeburt, die mit Pflege, Anerkennung und Verwendung der tschechischen Sprache einhergehen sollte. Gemäß Sprache allein, ohne geschichtlichen Hintergrund, ohne literarische Zeugnisse einstiger Größe, wie etwa historische Dichtung oder epische Lieder war das schwierig. Die Nichtpräsenz von Quellen geschichtlicher Größe in grauer Vorzeit war ein entscheidendes Hindernis.
In die Zeit des Beginns des 19. Jh, da sich die Tschechen, gefördert von den Deutschen und dem Hofe, um den Nachweis ihrer Ebenbürtigkeit mit den anderen Völkern mühten, fällt auch die angebliche „Entdeckung“ der „Königinhofer“ und „Grünberger Handschrift“, die aus dem 9.-14. Jh. stammen sollten und den Nachweis für ein altes, fähiges tschechisches Volkstum liefern sollten. Wiewohl diese Handschriften von Deutschen und sehr viel später auch von führenden Tschechen, wie z.B. von Masaryk, als Fälschung erkannt wurden, übten sie auf das tschechische Volk, besonders auf die Jugend, eine ungeheure Wirkung aus!
Bekannt wurde der Slawist und Schriftsteller Vaclav Hanka durch zwei Handschriften, die Königinhofer Handschrift und die Grünberger Handschrift, welche vermutlich er 1817 bzw. 1818 meisterhaft zur Vortäuschung tschechischer Heldenepen und lyrischer Texte aus dem 8. – 14. Jahrhundert zusammen mit Vaclav Alois Svoboda und Josef Linda fälschte. Die Königinhofer Handschrift ist eine im 19. Jahrhundert hergestellte und von Hanka veröffentlichte Fälschung einer mittelalterlichen Liedersammlung bestehend aus 12 Pergamentstreifen, die 14 Lieder enthalten mit 915 reimlosen Versen in epischer und lyrischer Form in alttschechischer Sprache. So wurde zum Beispiel der Sieg der Tschechen über die Polen 1004 besungen bzw. die Niederlage der Tataren bei Olmütz 1241. Im Turm der Dekaneikirche in der Stadt Königinhof an der Elbe (ca. 20 km südlich von Trautenau) will er sie 1817 aufgefunden haben.
Die Grünberger Handschrift ist eine Fälschung bestehend aus acht beschriebenen Seiten auf zwei Pergament-Doppelblättern. Sie enthält Fragmente der in alttschechischer Sprache abgefassten Gedichte „Snemy“ (Der Landtag) und „Libusin soud“ (Das Gericht der Libussa). Im Herbst 1817 möchte sie Josef Kovar auf Schloss Grünberg (ca. 35 km südöstlich von Pilsen) entdeckt haben, und sie anonym an den Fürsten Kolowrat als Geschenk für die Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen und das neu gegründete Nationalmuseum sandte, dessen Archivar Vaclav Hanka war.
Der „Fund“ war eine Sensation und Vaclav Hanka über Nacht ein berühmter Mann. Er wurde vom russischen Zaren persönlich ausgezeichnet und erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel und Auszeichungen in ganz Europa. Führende wissenschaftliche Gesellschaften erklärten Hanka zu ihrem Ehrenmitglied. Persönlichkeiten wie Jakob Grimm, Johann Wolfgang von Goethe und andere interessierten sich dafür. Kaum jemand zweifelte zunächst an der Echtheit der Pergamentblätter. Einige Mutige wagten dennoch Kritik. Die neugebildeten Wörter der Handschriften, die verfehlten Verkleinerungsformen, die vielen zusammengesetzten Wörter, geschichtliche Unrichtigkeiten und überhaupt das ganze Phantasische, Nebelhafte, Unhistorische ließen diese angebliche „Sammlung lyrisch-epische Nationalgesänge“ höchst verdächtig erscheinen. War der Kritiker Deutscher, da wurde er ohnehin als Feind betrachtet, war er Tscheche, dann galt er als Verräter. Zweifel wollte die tschechische öffentliche Meinung angesichts der enormen Bedeutung der Handschriften für die Auslegung der tschechischen und böhmischen Geschichte nicht zulassen. Die Königinhofer Handschrift wurde als eines der wichtigsten schriftlichen Zeugnisse des Abendlandes betrachtet und wurde in so gut wie alle europäische Sprachen übersetzt. Die Handschriften waren eine Sensation für die tschechischen Patrioten und die Euphorie darüber, sich Griechen, Deutschen und Franzosen gleichstellen zu können, kannte keine Grenze.
Damit schien der Altwert tschechischer Literatur und Geschichte dokumentiert und der tschechischen Sprache der Eintritt in den Kreis der europäischen Nationen erleichtert. Ergebnis der Funde war denn auch ein nationaler Rausch, der alle gesellschaftlichen Schichten erfaßte. Endlich schien der Beweis einer alten, hochstehenden, slawischen Kultur erbracht.
Der Komponist Antonin Dvorak vertonte vier Texte aus der Handschrift als Lieder.
Die bekanntesten tschechischen Maler schufen Historiengemälde mit Motiven der Handschriften.
Ebenso fanden die Handschriften ihre Resonanz bei tschechischen Dichtern.
Aber besonders waren sie ein entscheidender Faktor im politischen Leben des tschechischen Volkes. Sie beförderten die Wandlung zu einem geschichtsbewußten Volk und die Verbesserung seiner politisch-kulturellen Position. Die Handschriften – und insbesondere die Königinhofer Handschrift, die 14 Lieder und 915 reimlose Verse beinhaltete und damit dem Nibelungenlied gleichgestellt sein sollte – wurden nicht nur zur Hauptquelle tschechischer Literatur, sondern auch zu einem Pfeiler der Geschichtsschreibung. Frantisek Palacky, der bedeutenste tschechische Schriftsteller und Historiker wollte seinem Volk zeigen, daß es schon in der Frühzeit eine demokratische Verfassung und Rechtsordnung besaß und belegte seine These mit den Handschriften. Er schrieb auf dieser Grundlage seine „Geschichte von Böhmen“ (1836), deren Tenor der Kampf von friedliebenden Slawen gegen gewaltsam eindringende Deutsche bildet.
Die Geschichte Böhmens ist von den „Wiedererweckern der tschechischen Nation“ im 19. Jahrhundert zu einer Geschichte der feindlichen tschechisch-deutschen Auseinandersetzungen geformt worden.
Die tschechische Auffassung erklärt sich aus der anmaßenden Gleichsetzung von „böhmisch“=„tschechisch“ und infolgedessen auch von „böhmisch-staatlicher“ mit „tschechischer“ Überlieferung. Womit das deutsche Element als landfremd ausgegrenzt wird. Leider erhielten diese tschechischen „Wiedererwecker“ auch Unterstützung von ursprünglich deutschstämmigen Persönlichkeiten. Den Politiker Frantisek Rieger und den Sprachwissenschaftler Josef Jungmann kann man da als Beispiele nennen. Heutzutage würde man die Gesinnung solcher Personen freundlich formuliert „gutmenschlich“ nennen, welche mit der Bevorzugung alles Fremden und der Ablehnung alles Eigenen gegenwärtig vergleichbar hohe Schäden an Volk und Heimat anrichten. Und aus dem im 1791 entstandenen „Slawenkapitel“ des deutschen Philosophen Johann Gottfried Herder entstandenen Zitaten vom „friedlichen Slawen“ und den „deutschen Kriegern“, zogen sich die Tschechen (und die Polen) des 19. und 20. Jh. ihre Motivation für eine Politik, die 1945 in dem panslawisch motiviertem größten Landraub und der größten Vertreibung mündete, die es in Europa je gegeben hat!
Nachdem sich über hundert Jahre lang im tschechischen Volk ein Geschichtsbild gefestigt hat, dessen Ursprung auch auf die gefälschten Handschriften und ihrer Wirkung auf die tschechische Öffentlichkeit zurück reicht!
Obwohl der Aufbruch des tschechischen Volkes unter deutscher und habsburgischer Gönnerschaft begonnen hatte, machte sich sehr bald ein panslawischer Zug geltend. 1848 lehnten die Tschechen die Beschickung des Frankfurter Parlamentes ab und beriefen den ersten panslawistischen Kongreß in Prag ein. Worin als radikalste Formulierung auch die Forderung erhoben wurde „es müßten vertrieben werde, alle Türken aus Europa, alle Italiener vom Ostufer der Adria, alle Millionen Deutschen östlich der Isthmuslinie Triest-Stettin, alle Finnen von der karelischen Nase bei St. Petersburg“. Jahrzehntelangblieb die Echtheit der Handschriften kaum bestritten. Größere Auseinandersetzungen begannen erst in der 2. Hälfte des 19. Jh. 1858 erschien in der Zeitung „Tagesbote aus Böhmen“ ein anonymer Artikel, in dem die Handschriften als Fälschungen und ihr Entdecker Vaclav Hanka als Fälscher bezeichnet wurden. Sofort war in den tschechischen nationalen Kreisen eine neue Theorie erwacht: Wien sei daran interessiert, die Handschriften als Fälschungen zu deklassieren, um so den Tschechen die Grundlage ihres Nationalbewusstseins zu entziehen. In den führenden tschechischen Zeitungen und Zeitschriften erschienen glühende Artikel gegen diese Frevler, die es wagten, Zeugen der ruhmreichen tschechischen Vergangenheit anzuzweifeln. Die Echtheit der Handschriften in Frage zu stellen, bedeutete auch, die Autorität führender Historiker, Sprachwissenschaftler und Politiker zu untergraben, die ihre Hauptwerke auf Grundlage der angeblich altslawischen Pergamentrollen verfasst hatten. Sollten die Handschriften als Fälschungen entlarvt werden, hieße dies, die tschechische Geschichte umzuschreiben – und das war in den Augen vieler unmöglich.
Die deutschböhmische Geschichtsschreibung reagierte sehr spät auf die deutschfeindliche, tschechische Darstellung der böhmischen Geschichte. Die Gründung des Vereins für die Geschichte der Deutschen in Böhmen ist im Jahr 1862. Charakteristisch ist ihre reagierende, defensive Ausrichtung. Der Historiker Ludwig Schlesinger nahm Palackys These der feindlichen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Tschechen an und wollte das nationale Bewußtsein der Deutschen in Böhmen heben. Er sieht seine Arbeit als Antwort auf die „vollständige Unterdrückung der Geschichte des deutschböhmischen Stammes“. Deutschböhmische Geschichte wird bei Schlesinger und später auch bei Adolf Bachmann vornehmlich als Kulturgeschichte aufgefaßt und dabei böhmische Landesgeschichte in deutsche und tschechische Leistungsanteile aufgeteilt. Das Hauptgewicht wird dabei auf die durchwegs positiv aufgefaßte deutsche Kolonisation gelegt und davon ausgehend die weitere Rolle des deutschen Bürgertums in der böhmischen Geschichte untersucht. Die Deutschen treten als Kulturträger auf, als Verteidiger des bürgerlichen Banners der Freiheit. Aufgrund des Vorsprungs der tschechisch-nationalen Geschichtsdarstellung entspringt die deutschböhmische einer Abwehr- und mitunter Rechtfertigungshaltung. Die „Urgermanentheorie“, wonach die Deutschen Böhmens direkt von den Markomannen abstammten und somit das abgesehen von den Kelten erste Volk Böhmens darstellten, tritt bei Schlesinger und Bachmann eher in den Hintergrund.
Den Beweis der Fälschung lieferte 1859 der Historiker und spätere Wiener Universitätsprofessor Max Büdinger in der in München erschienenen Historischen Zeitschrift. An Hankas Begräbnis 1861 nahmen Zigtausende national begeisterte Tschechen teil, die den ihrer Meinung nach zu Unrecht als Fälscher Beschuldigten auf seinem letzten Weg begleiten wollten. Palacky und Pavel Safarik verfaßten eine Verteidigungsrede der Handschriften und wo hingegen Tomas Masaryk 1886 diese als Fälschungen bezeichnete. Bis dahin waren sie längst in das kollektive Bewußtsein des tschechischen Volkes übergegangen und dabei blieben sie oftmals auch, sich gegen jede Kritik taub stellend. Immerhin drei Generationen lang erstickte die öffentliche Meinung alle Zweifel an der Echtheit. Diese Geschichtsdarstellung wurde auch Teil des Schulunterrichts in ganz Böhmen. Womit es bei der Erziehung der Jugend die Stellung der Tschechen stärkte und die der Deutschen schwächte. Eine schriftliche Darstellung der tschechischen Geschichte bis zum 13. Jahrhundert existiert nicht. Das wird heute nicht mehr bezweifelt.
In einer Deklaration der tschechischen Abgeordneten vom 22. August 1868 findet Palackys These von der „historischen Unabhängigkeit Böhmens“ seinen Ausdruck. Darin heißt es, die Gesamtheit der böhmischen Länder müsse „auf Grund der nachgewiesenen historischen Erstbesiedlung durch die tschechische Sprachnation ihr als ’principes domi’ zustehen“, während den deutschen „Kolonisten“ nur ein Duldungsrecht zu gewähren sei!
Führt man diese Gedanken weiter dann wurde den sogenannten „Kolonisten“ 1945 das „Duldungsrecht“ entzogen!
Die Diskussion um die Echtheit der Handschriften schwelte auch nach dem Ersten Weltkrieg weiter. Und dieses Volk, welches sich auf eine von solchen monströsen Fälschungen konstruierte Geschichtsschreibung beruft, gab sich für den neuen Staat den Wahlspruch „Die Wahrheit siegt“! Er wurde 1918 zum offiziellen Wahlspruch der Tschechoslowakei erklärt. Damals war es Hundert Jahre her, seit die Fälschungen ihren verhängnissvollen geschichtlichen Lauf nahmen.
Die Politik des neuen Staates zielte sogleich darauf ab, die Sudetendeutschen an den Rand zu drängen. 1945 war dann letztlich das Jahr der Ernte gekommen, die Sternstunde des tschechischen Expansionsdranges. Die Konjunktion der alliierten Bestrafungstheologie mit der sowjetischen Hegemonialstrategie nach der deutschen Niederlage ermöglichte den höchsten Gewinn, die größte Expansion des tschechischen Siedlungsgebiets in der Geschichte.
So sieht die Eroberung von Lebensraum auf tschechisch aus!!!
Mit bis in die Gegenwart gültigen Vertreibungsdekreten abgesichert! Zuerst unter kommunistischer, nun demokratischer Herrschaft! Gibt keinen Unterschied zwischen diesen politischen Systemen bei der Frage der Dekrete und der darauf folgenden Raubsicherungspolitik!





