Zuletzt aktualisiert
21.10.2008

Die Europäische Union der Vertriebenen hat einige bemerkenswerte Erklärungen abgegeben, die wir zum Download bereitstellen.

Dokumente anklicken, um sie grösser darzustellen

II. Die Europäische Union der Flüchtlinge und Vertriebenen
     (Vertrag von Triest)

WITIKO-BRIEF 3/2007


Öffentliche Stellungnahme zur Triester Erklärung
am Sudetendeutschen Tag in Augsburg
Internationalisierung der Vertriebenenpolitik
Chance für Sudetendeutsche

Der von der „Unione degli Istriani" - Vertretung der aus Jugoslawien vertriebenen Italiener - veranstaltete „Internationale Kongreß der Vertriebenen und Flüchtlinge in Europa" und seine am 31. März einmütig verabschiedete Triester Erklärung ist ein Meilenstein auf dem Wege zu einer internationalen Anerkennung der sudetendeutschen
Frage. Den Organisatoren - anerkannten Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens in Italien - ist es gelungen, Repräsentanten von 30 Vertriebenenverbänden aus aller Welt (Deutschland, Österreich, Italien, Estland, Finnland, Armenien, Zypern, Großbritannien, USA, Australien) zu versammeln und ihre jeweiligen Ziele zu einer gemeinsamen Linie zu bündeln.
Der Bund der Vertriebenen war in Triest durch hochrangige Funktionsträger vertreten. Sowohl die Landsmannschaft Ostpreußen als auch die Landsmannschaft Schlesien wurden durch ihre Bundesvorsitzenden, v. Gottberg und Pawelka, repräsentiert.
Auch die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Deutschland und Österreich hat sich durch mehrere namhafte Landsleute am Kongreß beteiligt, die federführend an der
Formulierung der Triester Erklärung mitwirkten.
Der WITIKOBUND stellt fest: Die Positionierung der Sudetendeutschen Landsmannschaft zur Triester Erklärung sowie zur geplanten Bildung einer Europäischen Union der Flüchtlinge und Vertriebenen ist ein Prüfstein für die Ernsthaftigkeit ihrer Heimatpolitik.
Wer sich der einmaligen Gelegenheit verweigert, im Bündnis mit einflußreichen Organisationen weltweite Aufmerksamkeit zu erlangen und die gemeinsamen Ziele der Vertriebenen auf europäischer Ebene voranzubringen, wird seiner Aufgabe als
Sachwalter der Volksgruppe nicht gerecht.
Der WITIKOBUND, der in Verbindung mit den Sudetendeutschen Lehrern mit einer eigenen Delegation am Kongreß teilgenommen hat, wird mit aller Kraft dafür eintreten, daß ein wirksames Signal von Triest ausgeht und die sudetendeutschen Landsleute in dem sich bildenden Dachverband vertreten sein werden.
Pfingsten 2007
 


Das Signal von Triest - Jetzt gilt es für die Landsmannschaft


Vom 29. bis 31. März fand in Triest, wie von allen großen Zeitungen der Heimatvertriebenen berichtet, auf Einladung der Unione degli Istriani der „Erste Internationale Kongreß der Vertriebenen und Flüchtlinge" statt. Mit ihm ist es erstmals gelungen, die gemeinsamen Anliegen der europäischen Vertriebenen deutlich zum Ausdruck zu bringen. Für die Gründung einer Föderation, die auf europäischer Ebene zum unüberhörbaren Sprachrohr der oft zu wenig wahrgenommenen Volksgruppen werden soll, wurden die Vorbereitungen getroffen.
Sowohl die Landsmannschaft Schlesien (Nieder- und Oberschlesien) als auch die Ostpreußische Landsmannschaft waren und sind durch ihre Bundesvorsitzenden, Pawelka und v. Gottberg, an der Initiative beteiligt. Beide stehen dazu, was in Triest beschlossen wurde. Sie haben sich von Versuchen, die Veranstalter und Teilnehmer in eine politische Ecke zu drängen, nicht beeinflussen lassen. Schlesische Stämmigkeit und preußische Haltung bewähren sich gegen jeden Versuch, aus parteipolitischer Rücksichtnahme oder Kapitulationsgesinnung die Mitarbeit an dem erfolgversprechenden Unternehmen zu diskreditieren.
Und die Sudetendeutschen? Hier herrscht bedauerliche Verwirrung. Wohl war die Landsmannschaft in der Bundesrepublik Deutschland durch den Präsidenten der Bundesversammlung, Lm. Dr. Nowak, hochrangig vertreten. Für die SLÖ nahm deren Bundesvorsitzender teil. Die in Triest anwesenden Sudetendeutschen, darunter eine gemeinsame Delegation des Witikobundes und der Arbeitsgemeinschaft sudetendeutscher Lehrer und Erzieher, saßen auch nicht etwa als Zuschauer in den Rängen, sondern wirkten an der endgültigen Formulierung der Triester Erklärung tatkräftig mit. In den stundenlangen, in freundschaftlicher Atmosphäre geführten Debatten, in denen - teils in kleineren Kreisen der jeweiligen Sprachgruppen, teils im großen Plenum - der Wortlaut der Deklaration ausgefeilt wurde, war die sudetendeutsche Handschrift unverkennbar.
Umso erstaunter ist, wer den Internet-Auftritt der SL besucht und dort eine Presse-erklärung der Bundesgeschäftsstelle (Pressereferentin Hildegard Schuster) vom 2. April vorfindet. Darin heißt es, nur „einzelne Amtsträger" hätten als „Beoachter" teilgenommen, und die SL habe die Erklärung „nicht unterzeichnet". Diese Behauptung ist vom Landesverband BadenWürttemberg, dessen Landesvorsitzender Dr. Nowak ist, mit nebenstehend abgedruckter Erklärung zurückgewiesen worden. Dennoch findet sie sich bis heute unverändert auf der Netzseite der SL (www.sudeten.de).
Wie aus „gewöhnlich gut informierten Kreisen" zu erfahren ist, war es insbesondere BdVPräsidentin Steinbach, die im Präsidium des Bundes der Vertriebenen darauf drang, sich von Triest zu distanzieren. Sie hatte sich bereits im Vorfeld gegen eine Teilnahme der Landsmannschaften gewandt - dabei jedoch bei einigen auf Granit gebissen.
Es ist mehr als betrüblich, daß die Substanz der SL-Führung teilweise nicht aus Granit zu bestehen scheint (obwohl die Geologie des Sudetengebirges vorwiegend Granite aufweist!), sondern eher an den in Böhmen und Mähren nicht heimischen Kautschuk erinnert.
Welche Gründe kann es geben, die einmalige Chance von Triest außer Acht zu lassen und so zu tun, als sei nichts gewesen? Offiziell genannt wird die Teilnahme von „völlig unbekannten Splittergruppen", mit denen man nichts zu tun haben wolle. Diese Befürchtung, so sie denn berechtigt sein möge, ist aber schon deswegen hinfällig, weil die kleinen Organisationen lediglich im ersten Stadium gleichberechtigt waren, während die nunmehr zur Gründung anstehende Föderation aus den großen Landsmannschaften und Flüchtlingsverbänden der jeweiligen Staaten gebildet werden soll. Im übrigen wäre es einer ansehnlichen Organisation wie der SL wohl angemessener, vornehm über die Beteiligung der „Kleinen" hinwegzusehen, statt wie der sprichwörtliche Elefant in Panik vor der Maus zu erstarren.
Der eigentliche Grund der Distanzierung dürfte sein, daß in Triest nicht unverbindliche Höflichkeiten formuliert, sondern klare Aussagen getroffen wurden. Es war erfrischend zu hören, wie Finnen und Esten, Italiener und Griechen, Armenier und Zyprioten ihre Rechte einforderten, ohne die in Deutschland herrschende Politische Korrektheit zu beachten (ja überhaupt zu kennen). Nicht, daß es Radikale wären. Aber die Opfer von Vertreibung und Deportation, die aus anderen europäischen Staaten kommen, haben schlicht und einfach nicht verlernt, die Dinge beim Namen zu nennen. Sie erbitten kein „Wort der Entschuldigung", sondern sie fordern Wiedereinsetzung in ihre Rechte und Wiedergutmachung.
Für bundesdeutsche Parteipolitiker (und zu dieser besonderen Spezies wird man auch manchen Funktionsträger der Vertriebenen rechnen müssen) ist es freilich ungewohnt und erschreckend, solche unverblümten Worte zu hören. Sie haben sich darauf festgelegt, die Erlebnisgeneration - die heute 62 Jahre und mehr zählt - mit folgenlosen und beschwichtigenden Reden zu bedienen, um in weiteren zwei Jahrzehnten den „Zeitablauf" feststellen zu können. Zwischen den Parteien sind dabei lediglich stilistische Unterschiede zu bemerken: während rot-grün-gelbe Vertreter offen zugeben, daß die Ansprüche der Ost- und Sudetendeutschen als lästig empfunden werden, verspricht die CDU/CSU verklausuliert, sich „wie bisher" für deren „berechtigte" Anliegen einzusetzen, ohne jedoch „die gemeinsame Zukunft mit Fragen zu belasten, die aus der Vergangenheit herrühren" - was im Ergebnis dasselbe ist.
Demgegenüber zeigt schon ein Blick auf die Triester Gastgeber, wie anders man im Ausland über solche Fragen denkt. In Italien ist die Diskussion der heimatpolitischen Forderungen ein völlig normaler Vorgang, der die Betreffenden weder zu Rechtsaußen stempelt noch deren Lächerlichkeit suggeriert. Die ungelöste Eigentumsfrage der Istrien-Italiener hat wiederholt das Parlament beschäftigt und sowohl die Regierung in Rom als auch in den Vertreiberstaaten zu Stellungnahmen veranlaßt. Die hochrangigen Politiker, die zur Eröffnung der Konferenz Grußworte hielten, ergingen sich demzufolge auch nicht in leeren Wendungen oder verfielen gar - wie man das hierzulande ja auch schon erlebt hat - in Selbstanklagen, sondern ließen deutliche Sympathie für die Initiatoren erkennen. Nicht anders verhält es sich in Griechenland, wo die bereits 1923 erfolgte Vertreibung von 1,5 Millionen Türkeigriechen unvergessen ist und kein ernstzunehmender Politiker auf die Idee käme, sich über die eigenen Landsleute hinweg dem türkischen Staat lieb Kind zu machen.
Der Witikobund hat mit seiner oben genannten Stellungnahme, die auf dem Sudetendeutschen Tag vielhundertfach verteilt und den interessierten Medien übermittelt wurde, seine Position klargestellt. Er wird mit allem Nachdruck darauf dringen, daß die SL ihrer Verantwortung gegenüber der Volksgruppe nachkommt und sich an der Seite der Schlesier und Ostpreußen an „Triest" beteiligt. Täte sie dies nicht, so wäre für alle Zeiten vor der Geschichte dokumentiert, daß sie die wohl letzte Gelegenheit zur wirksamen internationalen Artikulation sudetendeutscher Rechte willentlich versäumt hätte.
Hans-Ulrich Kopp



Pressemitteilung der SL BadenWürttemberg
Zustimmung zur Unterschrift unter „Erklärungvon Triest" und
Distanzierung des SL-Bundesverbandes „aufs Schärfste" mißbilligt

Einstimmig verabschiedeten die in Stuttgart am 14.04.2007 tagenden Delegierten der Landesversammlung der Landesgruppe BadenWürttemberg e. V. der Sudetendeutschen
Landsmannschaft (ihres höchsten beschlussfassenden Gremiums) eine Resolution, in der sie sich ausdrücklich mit der Unterschrift solidarisieren, welche die am „Ersten Internationalen Kongreß der Vertriebenen und Flüchtlinge in Europa" vom 29.-31.03.2007 in Triest teilnehmenden sudetendeutschen Vertreter unter die dort beschlossene „Erklärung von Triest" geleistet hatten.
„Aufs Schärfste" missbilligten sie die Distanzierung des SL-Bundesverbandes von dieser Unterschrift, wie sie in dessen Pressemeldung vom 02.04.2007 zum Ausdruck gekommen war.
„Mit allem Nachdruck" forderten die Delegierten den SL-Bundesvorstand auf, „sich nicht nur mit dieser Erklärung zu solidarisieren, sondern sich auch aktiv in die vorgesehene Bildung einer Föderation der Vertriebenen- und Flüchtlingsorganisationen in Europa einzubringen und mit allen Kräften an der Gestaltung einer derartigen Föderation teilzunehmen."
Stuttgart, den 19.04.2007